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Aus "filmering.at"
Back to Africa
Zurück in die Heimat
Jeder Wiener wird die zahlreichen Plakate kennen, die auf den afrikanischen
Zirkus Afrika! Afrika! hinweisen, der auf ständiger Tour durch Europa
ist, und natürlich auch in der österreichischen Hauptstadt halt
macht. Doch viel mehr als die Show bekommt man dort nicht zu sehen, und
so widmet der österreichische Dokumentarfilmer Othmar Schmiderer
seinen Film Back to Africa den Menschen hinter der glitzernden
Fassade der Zirkusshow. Das Ergebnis ist ein interessantes Portrait das
es schafft zu faszinieren.
Mingue Sonko lebt für ihre Kunst. Sie ist Tänzerin und musste
sich ihr Leben in Afrika hart erarbeiten. Mittlerweile hat sie es zu einem
angesehenen Highlight in der Show Afrika! Afrika! gebracht und muss folgedessen
einen Großteil ihrer Zeit in Europa verbringen. Ihr Herz ist allerdings
immer bei ihrer Familie im Senegal, zu der sie so oft wie möglich
zurückkehrt. Ebraima Tata Dindin stammt aus Gambia und hat es dank
seinem viruosen Spiel mit der Kora ebenfalls in die Show geschafft. Ihm
fallen vor allem die gravierenden Unterschiede auf, wie verschieden man
doch die Musik in Europa und Afrika behandelt. Während die Afrikaner
die Musik als tiefe kulturelle Erfahrung sehen, geht es in Europa nur
ums Geld.
Makaya Dimbelolo aus dem Kongo ist ein Spinnenmann, der seine Glieder
unglaublich agil verbiegen kann, und seinen gesamten Körper so zusammenklappen
kann, dass es aussieht als wäre er eine riesige Spinne. Das Publikum
liebt ihn dafür, aber auch er sieht Europa nicht als seine Heimat,
sondern fühlt sich stets wie ein Fremder. Dickso Oppong aus Ghana
ist der sogenannte "Waterman", der mit seiner rundlichen Körperform
und durch sein breites Grinsen die Herzen des Publikums erobert. Durch
sein Talent unzählige Schüsseln rotieren zu lassen und sie dann
zu balancieren, und gleichzeitig meterhohe Wasserfontänen aus seinem
Mund zu schießen, hat er viel Geld verdient, doch seine Familie
wartet in Afrika auf ihn. Schlussendlich bleibt noch Georges Momboye von
der Elfenbeinküste, der die Tänze der Show choreographiert und
neue Künstler in Afrika sucht....
Back to Africa versucht den Leuten, die uns in der Zirkusshow
einen netten Abend bereiten und uns mit ihren Talenten erfreuen, ein Gesicht
zu geben. Man zeigt uns eine Gruppe Künstler, die alles dafür
opfern um ihre Profession auszuüben und dafür selbst ihre Freunde
und Familien zurücklassen. Viele leiden an dem ungewohnten Lebensstil
in Europa und der Einsamkeit, aber dafür bekommen sie genügend
Geld um ihren Liebsten das Leben zu finanzieren und gleichzeitig können
sie ihre Leidenschaft ausleben.
Wirklich zufrieden sind sie allerdings nur wenn sie die gläsernen
und stählernen Bauten Europas hinter sich lassen und zurück
in ihre Heimat können. In den staubigen und heißen Landschaften
Afrikas können sie ihr Leben genießen und sich so verhalten
wie sie es gerne möchten. Back to Africa vermeidet es dabei
gekonnt in die üblichen Klischeefallen zu treten, welche die Afrikaner
als möglichst primitive Leute skizzieren. Statdessen nimmt man das
Thema ernst und gibt sich viel Mühe den Artisten gerecht zu werden.
Wirklich interessant ist hier der kulturelle Einblick in das Leben der
Afrikaner und man bekommt eine ungefähre Vorstellung darüber,
was das Leben für diese Menschen bedeutet. Dabei gibt sich Back
to Africa allerdings nicht als Reisevideoersatz, der die Zuseher
auf eine Safari mitnimmt, sondern versucht sich ernsthaft mit den Menschen
des Kontinents zu beschäftigen. Zwar bleibt es nicht aus zu sagen,
dass Back to Africa wohl nicht jeden gefallen wird, aber alle
die sich auf dieses persönliche Dokument einlassen werden einen interessanten
Kinoabend verbringen.
Fazit:
Back to Africa widmet sich dem Leben von fünf Artisten aus
dem berühmten Zirkus Afrika! Afrika! und versucht ihnen ein Gesicht
zu verpassen. Dabei hat man besonders viel Wert darauf gelegt die kulturellen
Gepflogenheiten von Afrika zu beleuchten, aber man versucht auch die persönlichen
Schicksale der Künstler, um die sich der Film dreht, zu erläutern.
Die breite Masse wird wohl keinen Gefallen an diesem Film finden, aber
für das interessierte Publikum wird es sicher ein informativer Kinobesuch.
Michael Föls |