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Aus „fm5.at“
Zu Hause in Afrika, da wohnen Klischees


Alle AfrikanerInnen können singen, tanzen und sind muskulös. Auch back to africa entkommt den Klischees nicht, und ist trotzdem ein toller Film. Othmar Schmiderer begleitete fünf ArtistInnen der Show Afrika! Afrika! nach Hause.

Auch ArtistInnen haben Urlaub

Die Kora besteht aus einer halbkugeligen Kürbisschale, die mit Kuhfell bespannt wird. Ein darin steckender Holzstab fungiert als Hals. Zwischen Korpus und Hals werden schließlich 21 Saiten aus Antilopenhaut in zwei Ebenen gespannt. Auf dem Nationalinstrument Gambias können durch die spezielle Anordnung der Saiten unglaublich schnelle Melodien gespielt werden. Tata Dindin aus Gambia beherrscht das Spielen der Kora perfekt. So perfekt, dass sein Talent ihn zu einem Teil von André Hellers bejubelter und doch umstrittener Zirkus-Show Afrika! Afrika! machte. Neben ihm in der Show tanzt auch die ausdrucksstarke Senegalesin Sonko, deren 7-jähriger Sohn zu Hause in Afrika lebt. Georges Momboye von der Elfenbeinküste arbeitet ebenfalls als Tänzer und Choreograf in der Show. Wichtiger Protagonist in Afrika! Afrika! ist auch der „Schlangenmensch“ aus Guinea, Makaya Dimbelolo oder Huit-Huit, wie er genannt wird. Der Ghanaer Dickson Oppong kann acht kreisende Wasserschüsseln zugleich balancieren. In Europa macht ihn das zur Attraktion.
Ihren Urlaub verbringen die fünf ArtistInnen am Liebsten in Afrika. Othmar Schmiderers Dokumentation back to africa begleitet sie bei ihrem Heimataufenthalt.

Zu Hause wohnen Klischees

„Der Unterschied zwischen Arfrika und Europa liegt in den Möglichkeiten für das Leben“, erklärt uns ein Protagonist. Viele verschiedene Möglichkeiten, ihren Urlaub zu verbringen haben Tata Dindin, Sonko, Georges Momboye, Huit-Huit und Dickson während des kurzen Urlaubsaufenthaltes in ihrer Heimat jedoch nicht. Familie und Freunde müssen besucht werden, selbst zu Hause kommen sie um eine Vorführung nicht herum. Schließlich sind sie Stars und können mit der Präsentation ihrer Talente ganze Familien oder noch mehr Menschen ernähren. Dafür wird den Eltern das in Europa verdiente Geld überreicht, Dickson besorgt sogar Reis und Brot für seine Familie. Darüber hinaus bringt er seiner Tochter das Balancieren von Wasserschüsseln bei. In der selben Zeit baut Tata Dindin eine Kora, Senko gibt Tanzunterricht und Huit-Huit bringt Kindern in einer eigens gegründeten Zirkusschule bei, die physikalischen Grenzen ihres muskulösen Körpers zu ignorieren. So weit sind die Klischees gut bedient. Einzig Georges präsentiert seine Geschäftsidee, Bestattungswägen aus Europa nach Afrika zu importieren, damit Leichen nicht mehr so weit getragen werden müssen. back to africa schafft es nicht, aus bekannten Stereotypen auszubrechen. Die meiste Zeit handelt er vom Tanzen, Singen und Turnen – auch im Urlaub der ArtistInnen. Diese Betonung der Körperlichkeit verdrängt den Gedanken, dass Afrika noch mehr zu bieten haben könnte, Politik wird völlig ausgespart. Gerade dann, wenn der Film durch kurze Zwischenschnitte die Absurdität der Zirkus-Show kenntlich macht, verfällt er selbst in eine ähnliche Widersinnigkeit. In diesen Momenten wirkt er wie eine zweite Verwertungsvariante des vielleicht doch nicht ganz so post-kolonialen Stoffes.

Trotzdem: Sehenswert

In vereinzelten Momenten aber lässt Schmiderer die ZuseherInnen hoffen. Wenn Huit-Huit kurz erwähnt, dass einer seiner Brüder Arzt in Afrika ist, der andere in Europa arbeitet wird eine Ahnung vom angesprochenen Möglichkeitsspektrum fassbar. Noch einmal ist es Huit-Huit, der uns überrascht. Er schildert seine interessante Meinung, die Leute im Kongo seien „zu faul“ um ihr großes Land zu bewirtschaften. Lieber würden sie sich von ihren Verwandten in Europa Geld schicken lassen. Solche Momente und die ausgesprochen schönen Bilder machen den Film trotz aller Bedenken interessant, sehenswert und vor allem unterhaltsam. Ein Film abseits von politischen und wirtschaftlichen Problemen ist durchaus einmal verträglich. Jedoch nur, wenn die ZuseherInnen nicht vergessen, wer uns hier etwas zeigt. Othmar Schmiderer hatte schon mehrmals mit André Heller zusammengearbeitet und bekam von ihm den Vorzug für den Filmstoff gegenüber anderen Produktionen.

Georg Oberhumer