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Afircanet.info 1.4.2008
"Back to Africa"
Ein Afrooptimistischer Film
"Back to Africa"
Ein Afrooptimistischer Film
Vom 1. bis 6. April 2008 findet in Graz die DIAGONALE, das Festival des
österreichischen Films statt. Othmar Schmiderers „Back to Africa"
wird der Eröffnungsfilm sein. Der österreichische Regisseur
hat fünf afrikanische ArtistInnen vom Zirkus "Afrika!Afrika!"
in ihren jeweiligen Ländern privat begleitet. Daraus ist eine wunderschöne
Hymne auf die Kulturen und über die differenzierten Realitäten
Afrikas entstanden. Für alle, die an Afrika nicht mehr glauben.
Ebraima Tata Dindin aus Gambia spielt die Kora - die afrikanische Harfe
par excellence - Mingue Diagne Songo ist Tänzerin aus Senegal. Georges
Momboye aus Côte d´Ivoire ist Choreograph. Mayaka Dimbelolo
aus dem Kongo nennt sich Schlangenmensch und läuft wie eine Spinne
auf die Bühne. Dickson Oppong aus Ghana ist der Watermann. Von seinem
Vater lernte er, wie man fünf Liter Wasser im Körper speichert
und im entscheidenden Moment hervorsprudelt. Alle sind Publikumslieblinge
bei "Afrika!Afrika!".
Wer sind sie aber im wirklichen Leben, als Privatpersonen? Wie leben
sie ihr Leben jenseits ihres Beruf als Nomadenkünstler in Europa?
Was bedeutet ihr persönliches Engagements für sie, ihre Familie,
ihr Land, ihres Kontinent? Wie verkraften Sie die Zerrissenheit zwischen
Europa wo sie arbeiten und Afrika, wo Sie Ihre Wurzel haben. Was schätzen
bzw. lehnen sie aus beiden Kontinenten ab? Eigentlich eine Frage der modernen
wandelnden und globalisierten Arbeitskräfte.
Diesen Fragen ist Othmar Schmiderer nachgegangen. In einer geduldiger
und gut recherchierten Arbeit hat er viele Antworten erhalten. Er begleitete
die fünf Künstler in ihren eigenen Ländern sowie auch auf
Tournée in Europa. Daraus ist der Film "Back to Africa"
entstanden. Der Streifen diesen Film ist eine Annäherung an das Individuelle
und engagierte Leben dieser KünstlerInnen. Zuhause sind die Künstler,
Personen die Hoffnung verkörpern und Verantwortung für die Zukunft
tragen. Fast alle haben in den jeweiligen Ländern Ausbildungstätte
eröffnet, wo die junge Generation trainiert und versucht, ihren Traum
zu verwirklichen.Sie übernehmen Aufgaben, für die die staatliche
Strukturen längst versagt haben. Mit Erfolg.
Jenseits vom Afrika der Korruption und korruter politischer Eliten sowie
unfähiger Staatsmänner blüht ein lebendiges, kunst und
kulturreiches, dynamisches Afrika. "Back to Africa" thematisiert
auch die kritische Ausseinandersetzung der porträtierten Künstlern
mit sich selbst, der eigenen Familie sowie den staatlichen Institutionen.Diese
Künstler sind gegenüber ihren Familien sowie dem Staates bodenfeste
Kritiker. Sie kritisieren nicht nur, sondern engagieren sich selbst um
die dortige Situation zu verändern. Mayaka Dimbelolo hat zum Beispiel
in Kongo, durch seiner Arbeit ein Bestattungsunternehmen mit importierten
Autos aus Deutschland eröffnet.
George Momboye gründete eine Tanzschule, wo talentierte künstler
rekrutiert werden, Mingue Diagne Songo beschäftigt sich intensiv
mit dem Thema "Tanz und Kinder". Sie gibt ihr Wissen weiter
an Kindern obwohl ihre Situation vor Ort in Senegal als berufliche Tänzerin,
wie sie selbst sagt "keine leichte ist". Ebraima Tata Dindin
ist Schatzmeister der Griots.Die Griots sind die Bewahrer der Geschichte,
oralen Literatur und Musik ihrer Völker. Sie singen Balladen, erzählen
Geschichten und unterhalten. Bei vielen wichtigen Zeremonien in den meisten
westafrikanischen Ländern ist die Anwesenheit von Griots erforderlich.Dickson
Oppong tut es auch in seiner Familie. Seine Tocher lernt wie sie als waterwoman
Menschen unterhalten kann.
Was tun Menschen wenn staatliche Strukturen gescheitert sind? Mehrere
Antwort kommen in Schmiderers Film zur Sprache. Die Kreativität und
die Dynamik von engagierten Menschen trägt diesen Kontinent. Ein
wichtiges Thema im Film ist die Solidarität zwischen den Generationen
sowie der Rückhalt der Ahnen und Vorfahren nach dem Bantu Prinzip
von Ubuntu: "Ich bin weil wir sind". "Ohne meine Vorfahren
würde ich heute diesen Kunst nicht ausüben" gibt Ebraima
Tata Dindin aus Gambia zu. Klartext: Ich existiere nur wenn andere existieren
oder existiert haben.
Im Film dargestellte Afrika träumt nicht davon, von der Entwicklungshilfe
gerettet zu werden. Nein. Dieses Afrika gestaltet die eigenen Welt aus
eigener Kraft. Dieses Afrika arbeitet sehr hart und kommt aber selten
in Nachrichten zu Wort. Dieser Film zeigt nur ein Abschnitt engagierter
Menschen, die an Afrika glauben und in Afrika investieren. Eine schöne
Hymne an die unsichtbarer Kräfte Afrikas, die die Zukunft entscheidend
mitgestalten und eine Ohrfeige an die engstirnigen Medien, die diesen
Kontinent nur als Kontinent der Krisen, Korruption, und Katastrophen betrachten.
Simon Inou |